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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Dead Guitars

Nur noch wenige Tage, dann erscheint das bereits in einer Rezension von mir vorgestellte Album Airplanes, der im wahrsten Sinne des Wortes internationalen "Dead Guitars". Gerade weil die CD für mich nicht direkt greifbar war, sondern auf nebelhafte Weise faszinierend, freute ich mich besonders auf dieses Interview.
Wenige Stunden nachdem ich die Email mit den Fragen abgeschickt habe bekam ich die Antworten auch schon zurück. Recht fix dieser Carlo van Putten, und trotz aller Schnelligkeit, is auch der Inhalt seiner Antworten sehr durchdacht und Intelligent. Lassen wir ihn mal zu Wort kommen.

Otti:
Die "Dead Guitars" bestehen bereits seit 2002, aber erst jetzt, im Jahre 2007, erscheint euer Debütalbum Airplanes. Warum habt ihr die Menschheit so lange auf euer erstes Werk warten lassen?

Carlo:
Wir hatten nicht den Druck. Es sollte unser Debüt werden, kein zusammengeschnitzeltes Werk, sondern eine CD mit einer großen Dichte; wir wollten zusammen ein Gefühl entwickeln ohne Deadlines. Wir hatten kein Label, keine Pläne, aber viele Konzerte. Mit Echozone fanden wir ein Label, das mit der gleichen Leidenschaft seine Bands promotet, mit der wir Musik machen. Mancher Wein braucht eben seine Zeit zum Reifen.

Otti:
In der heutigen Zeit ist es schwer, sich am Musikmarkt durchzusetzen. Nennt mir doch bitte drei Gründe, warum die "Dead Guitars" sich gegen Hip Hop und "Pop Idol"-Casting-Opfer ihren Platz sichern werden.


"Airplanes ist ein schönes Bild, ein Bild von Fliegen, von Mut, Stärke, Unbefangenheit und Vertrauen für mich."

Carlo:
Erster Grund: Wir haben wirklich großes Glück das es sich bei uns mehr um eine zeitlose Variante des Musizierens handelt. Ich will nicht behaupten das wir neu im Trend sind, aber wir haben doch einen Einfluss gehabt in den vergangenen Jahren, von dem wir jetzt immer noch profitieren.
Zweiter Grund:: Unsere Chancen sind jetzt besser als je zuvor um vielleicht nicht durchzubrechen, aber wieder eine Rolle zu spielen, mit schöner und ehrliche Musik, mit viel Gefühl.
Dritter Grund:: Wir haben uns nie damit beschäftigt was die Anderen machen und andere Musik nie als Konkurrenz betrachtet. Jeder macht das wo er gut drin ist. Wir experimentieren immer noch. Es ist gerade dies etwas, was die Presse anscheinend an uns schätzt.

Otti:
Wie ich auch in meinem Review geschieben habe, wird man bei euch nicht zugedröhnt, sondern die Musik scheint sich langsam und schleichend in einem zu manifestieren, und schafft eine Athmosphäre, die an Kerzenschein und Sonnenuntergänge erinnert. Wie wichtig ist es für die Menschen Ruhepole in der modernen Lärm- und Stressgesellschaft zu finden?

Carlo:
Es ist in erster Linie für uns wichtig gewesen in unserer Musik einen Ruhpol zu finden, eine Atmosphäre zu kreieren. Wir wollten ein dichtes und abwechslungsreiches Album schaffen. Ich denke, dass es viele Menschen gibt, die diese Ruhe auch spüren. Wenn das so ist haben wir unsere Zielgruppe erweitert ;-)

Otti:
Allgemein wirken eure Songs sehr melancholisch und schwermütig. Aber an gezielten Stellen kommt dennoch, wie mir scheint bewußt platziert, eine Hoffnungsstimmung auf. Wieviel davon spiegelt euere eigene Mentalität wieder, und wie bewußt achtet ihr auf die Stimmungselemente, die ihr in eueren Songs einsetzt?

Carlo:
Airplanes ist ein schönes Bild, ein Bild von Fliegen, von Mut, Stärke, Unbefangenheit und Vertrauen für mich. Airplanes is ein atmosphärisches Album, es schwebt über den dunklen Wolken seiner selbst. Es will höher sein, und frei von Zeit und Raum. Frei von schweren Gedanken, der Sonne und dem Licht entgegen. Es ist ein Album das aus dieser Kraft entstanden ist. Melancholisch zu sein hat wenig mit depressiv zu sein zu tun. Es ist ein Emotionsüberfluss. Etwas wunderschönes kann so überwältigende Kraft haben, dass es einen zu Tränen rührt, da ist von Depressivität nicht die Rede. Für mich ist als Texter wichtig, dass ich ich selbst sein kann, Peter Brough und Ralf Aussem verstehen diese Worte und setzen sie prächtig um in den wunderschönen Gitarrensounds.

Otti:
Europa wächst immer mehr zusammen, und auch sonst fallen die Grenzen in der Welt. Welchen Einfluss hat das auf euch, sowohl im Privatleben, als auch als Musiker?

Carlo:
Wir sind eine internationale Band. Ralf kommt aus Deutschland, Peter Brough aus Schottland und ich komme aus den Niederlanden. Wir sprechen aber alle die gleiche Sprache der Musik.
Diese Sprache verbindet uns. Wir fühlen uns aber in Deutschland sehr wohl, die Deutschen sind meiner Meinung nach ein vielseitig orientiertes Publikum. Wir sind alle immer sehr erfolgreich gewesen. Ich wohne in der Nähe von Amsterdam und vermisse Deutschland manchmal sehr. Ich fühle mich wie ein heimatloser Europäer ;-)

Dartfieber

Otti:
Auf der anderen Seite gibt es Brennpunkte auf der Erde, wo Krieg und Terror einfach nicht abzuebben scheinen, oder Hungersnöte die Menschen seit Jahrzehnten plagen. Welche Möglichkeiten haben wir hier im Wohlstandseuropa, diese Missstände zu beseitigen? Und warum wird das nicht umgesetzt?

Carlo:
Ich habe gerade gestern eine Reportage gesehen mit Bono von "U2", er hat einen grossen Einfluss auf Politiker, die Kirche und die Industrie. Er hat mit sehr vielen Menschen um den runden Tisch gesessen, und ein Teil der Dritte-Welt-Schulden ist bereits erlassen. Es bleibt viel zu tun. Ich habe nur beschränkt Einfluss. Ich erzähle meinen Schüler viel über Politik und Philosophie. Mein Ziel ist es dabei, ihnen immer beiden Seiten der Schneide vorzuhalten. Ich habe den Vorteil, dass sie mir gerne zuhören. Ich umschreibe in meinen Texten die Ängste vor den grossen Mächten, wie zB in Airplanes, und ich umschreibe das Gefühl der Machtlosigkeit gegen das Unrecht. Ich war nie der Dicker-Zeigefinger-Texter. Verbesser die Welt und fange bei dir selbst an ist eher meine Devise.

Otti:
Wenn ich mir eueren Song "Crash" anhöre, stellt sich mir die Frage: Wie wichtig sind Menschen, die einem Halt geben, Geborgenheit schenken und in schweren Zeiten zur Seite stehen?

Carlo:
Es geht in dem Text darum, dass ich mich allein gelassen gefühlt habe, als sich Adrian Borland ("The Sound") in London vor einem Zug geworfen hat. Wir waren sehr eng befreundet. Ich durchlief nämlich drei Phasen: die Trauer, die Wut und danach die Vergebung. Zuerst hast du Selbstmitleid und das ist völlig ok, danach die Wut mit Fragen wie: Warum hat er nichts gesagt, wie konnte er mir das antun nachdem wir so close waren? Und dann denkst du dir, dass er es so wollte und er dadurch vielleicht frei war. Letztendlich habe ich daraus gelernt, dass er mich vor den gleiche Gedanken bewahrt hat, indem ich gesehen habe wie die Anderen darunter leiden. „He saved me from the crash, no reason left to die for".Es ist verdammt wichtig Menschen zur Seite zu stehen in Zeiten, die manchmal nicht die unseren scheinen.

Otti:
Ist vielleicht diese Liebe sogar das einzige, was uns als Menschen eine Daseinsberechtigung gibt?

Carlo:
Ich glaube nicht, aber es ist das Einzige was der Mensch anstreben sollte. Du wirst es nicht immer umsetzen können, aber man sollte durchaus weiter danach streben. Alles was aus Liebe entstanden ist, wird am Ende überleben. Ich bilde mir ein, dass in den letzten Sekunden eines Lebens der „Lebensfilm"nochmal abläuft. Gabst du Liebe wirst du in Liebe gehen, gabst du Hass und Dunkelheit, werden dir die Bilder vorgespielt. Ich glaube nicht an einen Himmel, oder eine Hölle mit Petrus am Tor. Ich glaube an das Gewissen seiner Selbst.

Otti:
Wenn ihr vor der Wahl ständet, entweder einen großen Krieg in nahen Osten zu verhindern, oder ein wirksames Heilmittel gegen sämtliche Formen von Krebs zu erfinden, was würdet ihr tun? Und wieso?

Carlo:
Der Krieg im nahen Osten ist bereits voll im Gange, die Krankheit Krebs ist für viele bereits besiegbar. Ich kann nicht den Richter spielen zwischen Gut und Gut, oder Böse und Böse. Meine Mutter wäre noch am Leben ohne Krebs. Ohne den Krieg 3500 amerikanische Soldaten und nochmal so viele Zivilisten auch. John Lennon sagte im Amsterdamer Hilton: „Stop the war now!" Es gibt nur Krieg oder Frieden, nichts dazwischen. Ich kann dem nur zustimmen... stop the war! now !!! Und weiter bin ich dankbar für die vielen tausend Ärtzte die ständig krebserkrankte Menschen helfen durchzukommen, und oft heilen können.


"Etwas wunderschönes kann so überwältigende Kraft haben, dass es einen zu Tränen rührt."

Otti:
Im Juni präsentiert ihr euer Programm auch live auf der Bühne. Als erfahrene Musiker kennt ihr das Gefühl schon lange, was ist für euch das Schönste an einem Live-Auftritt?

Carlo:
Wie es aussehen wird, das weiss ich nicht. Wenn ich das wüsste würde ich sofort aufhören Musik zu machen. Ich weiss vorher nie wie, oder ob ich je wieder runterkommen werde von der Bühne, aber es werden viele schöne Gitarrensounds in die Gehörgänge eindringen. Das Schönste ist, dass Live nichts vorprogrammiertes hat, es ist damit eine Momentaufnahme und niemals in dieser Form nachzustellen. Ich liebe es live zu spielen und die Band auch. Wir sehen uns!

Otti:
Wenn ihr euch für das nächste Album einen Gastsänger aussuchen könntet, egal ob tot oder noch am leben... Wen würdet ihr nehmen, und wieso?

Carlo:
Es gibt viele ;-) Ich würde statt einen „Club der toten Dichter" einen „Club der toten Sänger" machen. Jim Morrison, Kurt Cobain, Ian Curtis und Adrian Borland wären sicherlich mit von der Partie, wenn ich singen würde...."wild life is the only life so rip the flesh of from my bones" ;-)

Otti:
Und angenommen euer Album würde sich unerwarteterweise fast gar nicht verkaufen, welche Konsequenzen würdet ihr daraus ziehen?

Carlo:
Wir werden weitermachen wie bisher, Songs aufnehmen und zeitlose Musik kreieren. Hoffen, dass unser Label immer noch an uns glaubt, und sich der Tatsache bewusst ist, dass die Zeiten der Downloads die Verkaufszahlen mindern. Wir haben es nicht immer in der Hand, aber es ist in Liebe gemacht. Wir werden dann nicht in die Charts kommen, aber vielleicht in den Himmel? ;-) Die Gitarren sind tot? Es leben die Gitarren !!

Art des Interviews: Email
14.05.2007 by Otti
Dead Guitars in unserer Band- und Künstlerdatenbank

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