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Unter dem Namen Dust Of Apollon hat sich der junge Berliner Musiker und Produzent Bruno Dienhardt selbst verwirklicht. Die Musik kann man als Electronic Rock bezeichnen, enthält aber auch Elemente aus Drum and Base, EDM und weiteren Stilen - meist mit einer ordentlichen Portion Melancholie und Dunkelheit angereichert. Anlässlich eines Artikels für das Slam Magazin führte Otti dieses ausführliche Interview mit Bruno, in dem es unter anderem um dessen Weg in die Welt der Musik und sein Debütalbum Chapters Left Unread ging!
Otti:
Was war der entscheidende Antrieb für Dich, Dust Of Apollon ins Leben zu rufen?
Bruno:
Dust of Apollon ist weniger von mir bewusst ins Leben gerufen worden, als dass es sich irgendwie einfach entwickelt hat. Als ich mit dem Produzieren von Musik angefangen habe, war ich gerade einmal 15 Jahre alt. Meine Tage bestanden damals aus acht Stunden Schule, gefolgt von weiteren acht Stunden Computerspielen.
Zu der Zeit hatte ich einen Freundeskreis, der sich im Grunde nur online getroffen hat, klassische "reale" Treffen gab es kaum. Dadurch bin ich langsam, aber sicher in eine Computerspielsucht abgerutscht, ohne dass es mir oder meinem Umfeld wirklich bewusst war. Damals wurde diese Art von Sucht noch nicht einmal richtig als solche anerkannt.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich weder in den Spielen auf dem Niveau meiner Freunde mithalten konnte, noch wirklich Freude am Spielen selbst empfand. Musik wurde dann eher ungeplant zu einem Ausweg aus diesem Kreislauf. Meine Eltern hatten mir ein Launchpad, also einen MIDI-Controller, geschenkt, und wir hatten die Abmachung, dass ich jede Woche zumindest zehn Minuten in der dazugehörigen Software eigene Beats bastle.
Mit der Zeit hat mir das Ganze so viel Spaß gemacht, dass aus den zehn Minuten schnell zwei Stunden wurden und aus "einmal pro Woche" wurde täglich. Ich habe nicht nur gemerkt, dass mir das deutlich mehr Freude bereitet, sondern auch, dass ich einen inneren Drang verspüre, ein "Es muss sein", etwas zu erschaffen, anstatt einfach nur zu konsumieren.
So wurde Dust of Apollon geboren.

Dust Of Apollon: Chapters Left Unread
Otti:
Wer hat Dich dabei begleitet und unterstützt?
Bruno:
Mein ganzes engeres Umfeld war eigentlich immer sehr supportive. Meine Eltern haben mich von Tag eins an unterstützt. Sie haben mich gefördert, mir meinen Klavierunterricht ermöglicht, mich ernst genommen und mir zugehört, wenn es um meine Träume und Wünsche ging, und sich nach längeren Gesprächen auch davon überzeugen lassen, dass es für mich richtig ist, meinen eigenen Weg als Musiker in dieser verrückten Welt zu finden.
Auch mein Klavierlehrer spielte und spielt immer noch eine riesige Rolle, da ich durch ihn einen Großteil meiner musikalischen Fähigkeiten überhaupt erst erlernt habe und er mir auf diesem Weg immer wieder Mut zugesprochen hat.
Doch auch das Internet ist in gewisser Weise "schuld" an dem Ganzen. In den ersten Jahren habe ich vieles von meinen Kenntnissen in Musikproduktion und Songwriting, sowohl über YouTube, als auch durch den Austausch mit anderen jungen aufstrebenden Produzentinnen und Produzenten weltweit über Discord, eine Online Plattform für Communities mit Video und Audio Call Funktion, erlangt, und gemeinsam mit anderen jungen Kreativen zu wachsen war extrem bestärkend.
Otti:
Wenn man ein neues Projekt wie Dust Of Apollon angeht, was sind die größten Herausforderungen?
Bruno:
Abgesehen davon, dass man überhaupt erst einmal realisieren muss, dass zum Musiker sein so viel mehr dazugehört, als nur Musik zu machen, und dass man eigentlich schon ziemlich verblendet sein muss, um in dieser kaputten Industrie auf eine hauptberufliche Tätigkeit als Musiker zu hoffen, war für mich der größte Struggle die musikalische Identitätsfindung.
Nicht nur im Sinne von "Wie soll ich klingen?", sondern vor allem auch: Wo will ich hin? Was möchte ich eigentlich mit diesem Projekt erreichen? Was ist meine Perspektive? Und was für eine Geschichte will ich erzählen?
Diese Fragen wurden für mich sehr lange nicht von Innen beantwortet, sondern eher von Außen. Und eigentlich lässt sich die Antwort darauf relativ einfach finden: Man muss genau auf sich selbst schauen, auf das, was das eigene Herz sagt, auf das, was man bereits in sich trägt, und auf das, was man ausdrücken möchte.
Doch genau das ist gar nicht so leicht, wenn man ständig dem Einfluss anderer Menschen ausgesetzt ist und das Gefühl hat, die eigene Stimme gar nicht mehr hören zu können unter dem Meer an Meinungen.
Am Ende des Tages weiß man Selbst meistens am besten, was einem guttut und wo man hinmöchte. Aber darauf zu vertrauen, dass das auch richtig ist, erfordert sehr viel Mut, den ich lange Zeit nicht finden konnte, jetzt aber endlich in mir sehe.
Otti:
Mit Chapters Left Unread ist nun Dein erstes Album erschienen. Wie fühlt sich das an?
Bruno:
Es ist ziemlich absurd, denn dieses Album war für die letzten vier Jahre mein Tagebuch. Und das meine ich nicht nur metaphorisch, sondern wirklich so. Ich habe in diesem Album keine Dinge aufgeschrieben, die ich bereits wusste, sondern habe durch dieses Album versucht herauszufinden, wer ich eigentlich bin, sowohl musikalisch als auch persönlich.
In diesen 14 Songs arbeite ich viel von meiner Kindheit auf, vieles, was ich so lange verdrängt habe und was erst durch genaues Hinsehen und langes Reflektieren wirklich sichtbar wurde. Viele Kapitel, die ich eigentlich mental schon abgeschlossen hatte, haben sich als welche entpuppt, die in Wahrheit noch gar nicht wirklich begonnen hatten.
Es ist ein bisschen gruselig, weil ich dieses Tagebuch jetzt mit der ganzen Welt teile und es eigentlich total verrückt ist, so etwas zu tun. Aber während des Schreibens habe ich gemerkt, dass ich vieles von dem, was passiert ist, zwar nicht mehr ändern kann, aber hoffe, es durch diese Werke anderen aufzeigen zu können und sie zu ermutigen, ihre eigenen Geschichten weiterzuschreiben, während sie diese leben.
Insofern bin ich wirklich stolz auf mich, dass ich den Mut gefunden habe, dieses Album genau so zu veröffentlichen, wie es ist: roh, authentisch und ehrlich. Denn genau das braucht es manchmal: ehrliche Härte, ehrlichen Schmerz, aber auch ehrliche Hoffnung.
Otti:
Was waren für Dich die drei bewegendsten Momente auf dem Weg von der ersten Idee bis hin zum fertigen Album?
Bruno:
In dem Jahr, in dem ich dieses Album angefangen habe, hatte ich auch meinen allerersten Auftritt als Dust of Apollon. Ich hatte das Glück, 2022 beim Amsterdam Dance Event auftreten zu dürfen und dort zum ersten Mal meine eigenen Songs auf die Bühne zu bringen.
Das war nicht nur unglaublich schön, sondern hat auch ein riesiges Feuer in mir ausgelöst. Davor konnte ich mir lange Zeit gar nicht vorstellen, Live Musik zu machen. Ich dachte immer, ich würde eher als DJ meinen Weg finden. Aber dort habe ich gemerkt, wie viel es mir bedeutet, meine eigenen Songs aus meinem Kinderzimmer auf die Bühne zu bringen, vor Menschen zu performen und sie mit ihnen zu teilen.
Kurz zuvor hatte ich mein Studium abgebrochen, weil es mich einfach überhaupt nicht erfüllt hat. Diesen Kontrast zu spüren und zu merken, wie glücklich mich Musik macht, hat unglaublich viel in mir bewegt.
Außerdem war einer der bewegendsten Momente für mich der, in dem ich mich getraut habe, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Es war nicht nur auf dem Papier die Entscheidung, Musik zu meinem Hauptberuf zu machen, sondern auch ein echter Sprung ins kalte Wasser, den ich mich so lange nicht getraut hatte.
Endlich meinen Traum zu verfolgen, meinen eigenen Weg zu gehen, an mich zu glauben und wirklich alles darauf zu setzen.
Otti:
Um komplett in die Tiefe zu gehen, ist der Rahmen meines Artikels vermutlich zu klein, aber wie würdest Du die Quintessenz, die Inhalte der Texte und was Dich dabei bewegt hat in ein paar Sätzen auf den Punkt bringen?
Bruno:
Dieses Album ist ein erstmaliges Zurückblicken, ein bewusstes Hinschauen auf die Punkte, an denen es am meisten weh tut, auf die Themen, vor denen ich mich jahrelang gedrückt habe. Es ist ein Wahrnehmen davon, wie es mir wirklich geht, wie sehr es tatsächlich schmerzt, und der Versuch, all das überhaupt erst einmal zuzulassen.
Es ist eine Selbstfindungsreise, die gerade erst wirklich beginnt und in diesen Songs dokumentiert wird. Kein finales Reflektieren, kein Finden von Antworten, sondern vielmehr das erste ehrliche Realisieren, dass es überhaupt Fragen gibt, die beantwortet werden wollen.
Otti:
Du hast verschiedene Gastmusiker auf dem Album - was verbindet Dich mit den jeweiligen Künstlern?
Bruno:
Fast alle dieser wundervollen Künstlerinnen und Künstler stammen noch aus meiner Zeit als EDM Produzent. Es sind Menschen, mit denen ich zusammen Musik "gelernt" habe, die ich über EDM kennengelernt habe, die mich auf meinem Weg begleitet, bestärkt und immer wieder aufgebaut haben.
In diesem Beruf sitzt man oft alleine in einem Raum vor dem Laptop. Aber Musik macht so viel mehr Spaß, wenn man sie teilt, gemeinsam erlebt und gemeinsam erschafft. Genau deshalb liebe ich es so sehr, zu kollaborieren, und bin unglaublich dankbar, diese Freude mit all diesen tollen Menschen erlebt zu haben und auf diesem Album teilen zu dürfen.
Otti:
Auf welchen Aspekt von Chapters Left Unread bist Du ganz besonders stolz?
Bruno:
Die Ehrlichkeit und Rohheit, die dieses Album ausstrahlt, machen es zu einem Werk voller Unsicherheit und zugleich zu etwas, das unglaublich in sich gefestigt ist. Ein Werk, das mir Hoffnung gibt und am Ende so viel mehr geworden ist, als ich je gedacht hätte.
Es hat mir geholfen, zu mir selbst zu finden. Es hat mich auf meinem Weg in die Therapie begleitet, mich bei meinem Weg aus meiner Computerspielsucht und Alkoholsucht begleitet und mir gezeigt, dass ich es verdiene, ernst genommen zu werden, vor allem von mir selbst.
Otti:
Mit dem Album im Rücken, was sind Deine nächsten Schritte, die Du mit Dust Of Apollon angehen wirst?
Dieses Album ist Teil einer Trilogie, die sich um ein Filmskript dreht, das ich vor drei Jahren geschrieben habe. Dieses Skript wurde bereits begonnen zu erzählen, mit unserem Live Set im Planetarium ("damnatio memoriae"), fortgeführt durch unser Musikvideo zu Hall of Mirrors und wird in diesem Jahr noch durch einen Kurzfilm zum Album weitergeführt.
Mit dieser Trilogie möchte ich meine eigene Coming of Age Geschichte erzählen. Ich möchte mein Leben teilen, nicht nur für andere, sondern vor allem auch für mich selbst, um überhaupt einmal zu realisieren, wer ich bin und was ich alles erlebt habe.
Wo genau mich das hinführt und was noch passieren wird, kann ich allerdings erst erzählen und darstellen, wenn ich es wirklich erlebt habe. Deswegen glaube ich, dass es Zeit wird, noch ein paar weitere Tagebücher zu schreiben. Und ich freue mich darauf, wenn auch diese irgendwann das Tageslicht erblicken.
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