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Die Hamburger Post Punk Formation fluppe hat kürzlich mit Beest ihr starkes, drittes Album vorgelegt. Anlässlich eines Artikels im Slam führte ich dieses Interview mit Drummer Antonine Laval, um mehr über die Band und ihr neuestes Baby zu erfahren.
Otti:
Euer neues Album Beest ist just an dem Tag erschienen, an dem ich Dir diese Fragen geschickt habe. Wie sehr habt Ihr in den letzten Tagen und Wochen auf diesen Tag hingefiebert?
Antoine:
Durch die Tatsache, dass man im Streaming-Zeitalter ja zunehmend vorab Singles vom Album veröffentlicht und der Release in eine längere Kampagne mit Vorlauf und Aktionen im Anschluss an den Releasetag eingebunden ist, empfinde ich die eigentliche Veröffentlichung eher als ein
Datum von vielen. Zudem sind die Titel schon länger aufgenommen und noch viel länger geschrieben, sodass die "Geburt" für uns als Band eigentlich häppchenweise passiert und weniger an diesem einen Releasetag. Ich persönlich empfinde z. B. den Moment beim abschließenden Hören der Aufnahmen im Studio als emotionaler und viel mehr als "Release".

Foto Credit: Caren Detje
Otti:
Was waren die Begegnungen, Themen, Emotionen, die Euch bei der Arbeit an den Beest Songs am meisten inspiriert haben?
Antoine:
Bei Beest wollten wir uns von der uns zugeschriebenen "Hamburger Schule" lösen. Natürlich haben wir uns in den ersten Jahren des Bandbestehens über die Vergleiche mit Bands wie Tocotronic oder Tomte gefreut und haben die Parallelen gesehen, u. a. auch, weil wir aus Hamburg kommen und auf Deutsch singen, aber wirklich dazugehörig gefühlt haben wir uns nie. Ich glaube, wir untermauern spätestens jetzt und mit diesem Album, dass wir uns vielmehr am Sound internationaler Post-Punk- und Shoegaze-Bands wie DIIV oder Fountains D.C. orientieren.
Sicherlich hat auch der Wechsel des Produzenten und das Studio Einfluss auf das Album gehabt. Frühere Alben haben wir mit Gregor Hennig in Bremen aufgenommen, Beest ist größtenteils zusammen mit Tobias Siebert (u. a. Klez.e, And The Golden Choir) in seinem Studio in Mecklenburg-Vorpommern entstanden.
Otti:
Verglichen mit dem Vorgänger Boutique, an welchen Stellschrauben habt Ihr gedreht um neue Nuancen aus Eurem coolen Sound zu holen?
Antoine:
Bei der Arbeit an Boutique haben wir uns vor der Produktion das Ziel gesetzt, einen poppigeren Sound aufzunehmen, etwa durch die Hinzunahme von Instrumenten wie Klavier, Synthesizer und weiblichen Backing-Vocals. Mit so einer Zielsetzung haben wir dieses Mal nicht gearbeitet; wir standen vielmehr vor einem weißen Blatt Papier, haben einfach wie in frühen Jahren drauflos gespielt und gemeinsam im Proberaum herumprobiert, anstatt bereits eine vorformulierte Vision oder Idee zu haben. Dadurch hat sich das Songwriting leicht angefühlt und bei manchen Bandmitgliedern wie ein zweites Debütalbum. Während wir bei Boutique schon im Songwriting Keyboards, Overdubs und eingängige Arrangements mitgedacht haben, wollten wir bei Beest wieder alles möglichst klein und einfach halten: Bass, Schlagzeug, Gitarre, Gesang - so sollten die Songs funktionieren.
Otti:
Ich versuche jetzt gar nicht, nach dem Hintergrund einzelner Songs zu fragen, da die Texte ja doch sehr viel Interpretationsspielraum lassen. Aber was war denn bisher so die spannendste Spiegelung eines Fans und/oder Pressevertreters, die Ihr auf einen Eurer Songs bekommen habt?
Antoine:
Viele Menschen glauben, dass wir uns beim Titel „Beest“ aus dem Niederländischen bedient hätten - tatsächlich war das aber nicht die Idee. Eigentlich wollten wir eher ein Schlaglicht auf die düsteren und weniger glanzvollen Momente und Geschichten des Alltags werfen, die einem so
"beestig" begegnen können. Besonders schön ist es dann, wenn die Hörer:innen die kleinen Hoffnungsmomente in den Songs finden, die wir trotz allem einbauen und an die wir fest glauben.
Getreu dem Motto des ARD-Moderators Ingo Zamperoni: "Bleiben Sie zuversichtlich".
Otti:
In Kürze startet Eure kommende Tour. Spannenderweise habt Ihr diese nicht nach dem Album benannt, sondern nach dem Song Dodgers. Warum?
Antoine:
Beim Titel Dodgers geht es einerseits um eine Art Gruppen- und Wir-Gefühl ("Unter den Sternen sind wir die Größten"), andererseits um das Verlorensein, das Unterwegs- und Getriebensein ("Wenn wir diesen Ort verlassen, steht der Pavillon nicht mehr"). Das sind zwei gute und passende Attribute, die zur Situation auf Tour passen: als Gruppe unterwegs zu sein, nirgendwo richtig anzukommen und immer nur auf Durchreise zu sein. Außerdem wollten wir die Tour nicht auch noch nach dem Album Beest benennen, da es sich besser anfühlt und mehr Wirkung hat, einen so breitbeinigen Titel sparsam einzusetzen.
Otti:
Was macht eine richtig gute Show für Dich aus?
Antoine:
Ich finde Konzerte immer dann gut, wenn sie authentisch sind und ich mich mit dem Artist und den Songs identifizieren kann. Dazu gehört z. B., dass die Songs selber geschrieben sind, dass Bands ihre Instrumente auch tatsächlich spielen und dass ich das, was auf der Bühne gesagt, gespielt und dargestellt wird, auch tatsächlich glauben kann. Das i-Tüpfelchen ist dann noch, wenn ein Konzert Emotionen auslöst. Weniger interessieren mich Mitmachaktionen - vor allem dann, wenn sie einstudiert sind und man als Zuschauer merkt, dass Bands es machen, weil sie glauben, man würde es von ihnen erwarten. Das ist für mich meistens der Moment, ein Bier holen zu gehen.
Otti:
Wenn ich mich nicht verzählt habe, ist Beest Euer dritter Longplayer. Da man ja sagt "aller guter Dinge sind drei", was kann denn jetzt noch kommen?
Antoine:
Aktuell sind wir gedanklich ausschließlich bei diesem Album und planen kaum länger als bis zum Ende dieses Jahres. Für einen vierten Longplayer bräuchten wir Themen und Demos, aktuell haben wir aber weder das eine noch das andere. Mit Blick auf die letzten Jahre kann so etwas bei uns aber schnell gehen...
Otti:
Und natürlich auch ernsthaft gefragt: Abgesehen von der Tour, was sind Eure bisherigen Pläne als fluppe für das restliche Jahr?
Antoine:
Im Sommer sind einige wenige Festivalauftritte geplant und wir möchten noch zwei bis drei Titel des aktuellen Albums in einer Live-Session filmisch aufnehmen. Im Herbst folgen dann weitere Livetermine in Städten, die wir im Frühjahr nicht unterbekommen haben. Fest stehen da z. B. Shows in Hannover, Darmstadt oder Weimar. Es gibt also noch eine Menge bei uns zu entdecken - klickt euch also gerne mal rein.
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