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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

ACHT EIMER HÜHNERHERZEN: Richtig gute Freunde

Acht Eimer Hühnerherzen sind cool - das durfte ich anhand ihres aktuellen Albums Musik entdecken. Im Zusammenhang mit dessen Release habe ich das Trio auch für eine Story im Slam interviewt. Und wieder einmal gab es viel mehr coole Antworten, als Platz im Heft war - ergo liefere ich Euch hier nun endlich den ganzen Rest des Interviews!

Otti:
Jede gute Punkband braucht einen Gründungsmythos - und da ihr noch vergleichsweise frisch im Geschäft seid, könnt Ihr Euch sicher noch dran erinnern - wie habt Ihr als Band zusammengefunden?

Herr Bottrop:
Nach einer Punkrockparty im Keller des Trickster / Berlin. Danach haben Vega und ich zu zweit im Park an kurzen Lied-Miniaturen gebastelt. Der erste Versuch hieß Eis auf Ex.

Apocalypse Vega:
Wir wollten eigentlich nur komponieren...

Herr Bottrop:
...ohne ein Ziel oder einen Auftritt in Sicht.

Apocalypse Vega:
Und nach etwa acht oder neun Liedern habe ich dann den Benediktator auf einer seiner Straßenmusiktouren kennengelernt.

Bene Diktator:
Meine Erinnerung ist sehr verschwommen. Es hatte irgendwas mit einem Tischtennismatch zu tun.

Apocalypse Vega:
Wir mussten dich quasi erspielen und haben dich deswegen ja auch gewinnen lassen!

Acht Eimer Hühnerherzen: Musik
"Wir lachen sehr viel, wenn wir zusammen Musik machen."

Otti:
Welche kompositorischen, emotionalen und inhaltlichen Fortschritte habt Ihr in Euren eigenen Augen zwischen Album und Musik gemacht?

Bene Diktator:
Auf dieser Platte sind Lieder, die länger als 2,5 Minuten dauern .

Herr Bottrop:
Totale Freiheit in Strukturen und Instrumentierungen.

Apocalypse Vega:
Vielleicht haben wir mehr zugelassen?

Herr Bottrop:
Ja. Mehr mehr. Auf allen Ebenen. Wir haben zum ersten Mal auch zwei wirklich sehr traurige Lieder auf der Platte, ein Beerdigungslied und ein Sehnsuchtslied.

Otti:
Eure Heimatstadt Berlin spielt in Euren Texten immer wieder eine Rolle. Was sind für Euch die schönen, hässlichen und einzigartigen Aspekte der Hauptstadt?

Apocalypse Vega:
Zu wissen, dass man nicht alleine ist; und zu wissen, dass man alleine ist.

Bene Diktator:
Schön ist, dass ich Sonntag morgens in einer einzigartig hässlichen Jogginghose durch den Kiez laufen kann und dabei kein bisschen auffalle.

Herr Bottrop:
Die Stadt hatte schon immer großen Einfluss auf unsere Texte. Elend und Verschwendung, Euphorie und Absturz, Glück und Tod so nah nebeneinander - an einem Ort. Es ist grossartig. Es ist absolut erschütternd.
Aber nicht nur Berlin sondern auch Vegas Heimat in Südost-Brandenburg spielt eine wichtige Rolle in unseren Liedern.

Otti:
Wo ich gerade Eurem Song Sartre lausche - macht es Sinn, Eure Musik auf philosophische Elemente zu durchleuchten? Und wenn ja, worauf sollte der/die HörerIn achten, um nicht vollkommen an Euren Intentionen vorbei zu suchen?

Herr Bottrop:
Ohh. Du verlangst von uns eine gratis mitgelieferte Interpretation. Ich fürchte, damit können wir nicht dienen.

Bene Diktator:
Da kann und wird sich sowieso immer jede Person ihre eigene Interpretation schaffen.

Apocalypse Vega:
Aber Adorno sollte man schon komplett gelesen haben.

Herr Bottrop:
Und Siddharta.

Otti:
Straße der Gewalt wirft in mir wiederum die Fragen auf: Was macht Euch richtig wütend? Und in welchen Lebenssituationen ist Gewalt legitim?

Herr Bottrop:
Wir selber sind ja gar nicht die Wütenden in dem Song, sondern das Gegenüber, der Adressat...

Apocalypse Vega:
Das stimmt. Aber wütend kannst du doch auch sein...

Herr Bottrop:
Ich kann sehr wütend werden, wenn etwas Technisches nicht funtioniert. Ich bin einer vom Wü-Tend-Clan. Aber ich werd nicht gewalttätig. Meistens.

Bene Diktator:
Ich kann eigentlich auch ganz gut ohne Gewalt leben.

Apocalypse Vega:
Ich nicht.

Herr Bottrop:
Vega, lass uns mal wieder zusammen irgendwas kaputtmachen!

Otti:
In Euren Songs stecken viele ernste Momente, aber auch eine ordentliche Portion Humor. Während Ihr an Musik gearbeitet habt, gab es da einen Moment, in dem Ihr herzhaft lachen musstet, und der sich als erzählte Anekdote eignet?

Bene Diktator:
Wir lachen sehr viel, wenn wir zusammen Musik machen. Ich hab da den Überblick verloren.

Apocalypse Vega:
Als wir den B-Teil von Genug komponiert haben, mussten wir uns ziemlich über das "Zähl-Schema" streiten. Jacho wollte unbedingt nur das Vierer-Schema, Bene und ich hingegen auch mal ein Dreier-Schema dazwischen schieben. Das ging für Jacho gar nicht. Und es gab Streit über die richtige Verwendung von ost- oder westlich geprägten Zähl-Schematas.

Herr Bottrop:
Da stand Rock’n’Roll-Amerika-Chuck Berry Einfluss gegen osteuropäische Musiktraditionen.

Apocalypse Vega:
Wir einigten uns darauf, dass einfach jeder so zählt, wie er möchte, um dann zu gucken, was passiert. Naja, wir spielten also und stellten danach fest: es funktioniert. Da haben wir schon sehr gelacht. Und auch jetzt noch - jedes Mal, wenn wir das Lied spielen, passt es trotz unterschiedlicher Zählweisen einfach zusammen. Jedes Mal! Verrückt!

Otti:
Mir ist aufgefallen, dass wenn man sich über Euch unterhält, der Bandname gelinde gesagt bei vielen Menschen zu Irritationen führt. Was macht Ihr, um dennoch die Charts - oder zumindest möglichst viele Menschenherzen - zu erobern?

Herr Bottrop:
Ich kann gar nicht verstehen, wie jemand von unserem schönen Bandnamen irritiert sein kann.

Apocalypse Vega:
Und es ist auch jetzt zu spät, uns darüber Gedanken zu machen. Uns fiel einfach kein anderer ein und möglicherweise war es uns auch gar nicht so wichtig.

Bene Diktator:
Ist doch nur ein Name. Wichtig ist die Musik.

Herr Bottrop:
Es ist ein sehr existenzieller und trauriger Bandname. Acht Eimer Hühnerherzen - das sind die letzen zu Hunde- und Katzenfutter bestimmten Überreste von mindestens 6000 jungen Vögeln, die nie in ihrem Leben geflogen sind oder das Sonnenlicht gesehen haben.

Otti:
Da ihr ja komplett auf Distortions verzichtet, werden Teile der Punk-Polizei die Nase rümpfen, den Finger heben, oder sich im Internet über Eure mangelnde Punk-Kompatibelität auskotzen. Wie geht Ihr damit um?

Herr Bottrop:
Falsche Frage, wir benutzen ja in den meisten Songs Fuzz und Verzerrer und andere Effekte - aber in Kombination mit Nylonsaiten-Gitarren. Wir haben jetzt auch endlich gelernt, wie man die hitzeempfindlichen Nylonsaiten-Instrumente richtig stimmt. Ist das noch Punk?

Otti:
Nur für den Fall, dass Ihr Euch dazu öffentlich äussern wollt: Wie blickt Ihr derzeit auf die Ereignisse in Osteuropa?

Apocalypse Vega:
Sehr besorgt!

Herr Bottrop:
Hoffen wir, das diese Frage in vier Wochen schon wieder veraltet ist. Tagesgeschehen. Und das wieder Frieden sein wird. Ein stabiler Frieden. (Leider hat sich diese Hoffnung auch nach Monaten noch nicht bewahrheitet, Anm. d. Red. :( )

Bene Diktator:
Am besten schon morgen.

Otti:
Und um in jedem Fall mit einem positiven Gedanken zu enden: Was war der bis dato schönste Moment, den Ihr mit Acht Eimer Hühnerherzen erlebt habt?

Bene Diktator:
Den einen schönsten Moment gibt es nicht. Ich freue mich aber jedes Mal über Momente auf der Bühne, in denen wir uns anschauen, grinsen und einfach alles passt.

Herr Bottrop:
Für mich ist so ein Moment immer dann, wenn die Testpressung der neuen Platte zum ersten Mal auf dem Plattenspieler liegt und der Tonarm langsam runterfährt.

Apocalypse Vega:
Ja, ich kann beides nur unterstreichen! Und noch hinzufügen: ein wichtiger/sehr schöner Moment war es für mich, als ich begriff, dass wir nicht nur eine Band, sondern richtig gute Freunde sind.

Website:
achteimerhuehnerherzen.info

Art des Interviews: Email
04.07.2022 by Otti
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