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Wer feiern, singen, tanzen will,
lauscht im Schlosshof dem regen Spiel,
der Michael, der lädt uns ein,
beim Burgfolk mal dabei zu sein.
Und viele Leute folgten diesem Ruf. Zum wiederholten Mal, stand der Schlosshof zu Broich den feierwütigen Folk-
und Mittelalterfans offen. An einem sehr milden Augustwochenende , strömten Jung wie Alt heran, um eine
langersehnte Party zu feiern. Wie so oft, wenn eine Party Freitags nach Feierabend beginnt, ließ der riesige Ansturm etwas auf
sich warten. Aber der gute Deutsche kommt pünktlich zur Eröffnung der "Weekend Warriors"von Circle J und schnell
war der Innenhof gut gefüllt. Genauso wie die Besucher. Selten habe ich einen so schnellen Anstieg des Pegels bemerkt,
wie dieses Jahr. Und Circle J legen mir ihren beschwingten Klängen noch ein paar Kohlen ins Feuer. Obwohl hier nicht
jeder Ton stimmt, weiß die Junge Band wie man das Publikum für sich gewinnt: Vollgas geben und zum Saufen animieren
Dankbar und angesäuselt warten die Massen dann auf die Performance von Heimataerde. Während der wie gewohnt kurzen
Umbauphase frage ich mich, warum die Leute alle so steil auf diese Band gehen. Als die Band dann in blutigem Wappenröcken
und mit weiß gefärbtem Haupthaar die Bühne betritt, kann ich es irgendwie verstehen. Mit ihrem eher modernen Set, recht elektronisch,
legen die Jungs los und sind bei all dem Blut und den Fleischfetzen ziemlich lustig drauf. Gar nicht erschrocken,
feiern die Besucher des Burgfolk das freudige Gemetzel und freuen sich, wenn sie von den
zahlreichen Blutfontänen getroffen werden. Neben der guten musikalischen Darbietung, war mein persönliches Highlight,
dass Bruder Ansgar v. Hucretha in der ersten Reihe ein Herz gegessen hat. Vielleicht etwas makaber, aber
die vorderen Reihen ließen sich vergnüglich besudeln.
Weiter geht es mit Celtica, die wieder etwas traditioneller mit Sack und Geige, ein spannendes Instrumentalset,
zaubern. Die erste hälfte ihres Auftritts, war auch für Nichtfans einfach nur genial, aber spätestens als Celtica
Medleys aus Filmmelodien ( Starwars,Fluch der Karibik ) sowie bekannter Hits auspacken, tobt die Menge. Als dann einfach mal aus JEDEM Instrument
Flammen schlagen, wird es echt abgefahren. Feuer gehört irgendwie in das Grundkonzept der Menschheit, aber mit
Sicherheit sieht man eher selten, dass ein Dudelsack aus fast jeder Öffnung Feuer spuckt.
Den krönenden Abschluss des ersten Abends bilden Tanzwut, die mit dem Teufel an der Spitze, die Feierwut
der Gäste anheizen. Wer noch stehen kann tanzt als gäbe es kein Morgen und wen der gestillte Durst zu einer sitzenden
Haltung zwingt, genießt das optische Spektakel aus Licht, Nebel, und Masken. Ganz Profi, geben Tanzwut bis
zum Ende Vollgas und sorgen durch ihre Energie für einen bleibenden Eindruck, der so schnell nicht vergehen wird. Ein
Zeichen hierfür ist, dass selbst nach Ende der Show, zahlreiche Fans und Reporter diverser Magazine weiterfeiern, den Schlosshof
bis spät in die Nacht besetzt halten und vom Sicherheitspersonal vor die Tür gesetzt werden müssen. Ich muss allerdings
sagen, dass ich noch nie so fürsorglich und freundlich rausgeschmissen wurde. Party is over, Nightshade war dabei.
Tag 2. Es ist kühl, riecht nach Regen. Die Stimme streikt und die Bewegungen wirken hölzern. Das sind bei Vielen
die ersten Gedanken, als man sich zur Mittagsstunde am Tatort des Vortags versammelt. Zu Beginn schickt Veranstalter
Michael Bohnes die Band The O´Reillys and the Paddyhats ins Feld, die Jeden Gast schnell die Gebrechen
mit ihrer verrückten Koboldmusik vergessen lassen. Mit fahnenschwingenden, rotbärtigen Kobolden ziehen die Musiker
ein und starten mit gewaltigem Tamtam. Man weiß gar nicht wo man zuerst hinschauen soll, denn bei all der Fidelei
wird auch auf der Bühne gesteppt. Dem unbescholtenen Gast drängt sich folgender Gedanke auf: " Es kann sein, dass die
Irland mögen." Da die ersten Bands immer eine etwas kürzere Spielzeit haben, kam das Ende der Show viel zu schnell.
Die Traurigkeit dieses Tatsache wurde aber von Punch`n`Judy gelindert. Aber nicht weggewischt, denn leider
hatte ich den Eindruck, dass sich viele Besucher mehr von dieser Band versprochen hatten. Es war zwar lustig,aber
vielleicht zu früh um so trinkfreudige Musik zu spielen. Diese Annahme wird bei dem Auftritt von Die Kammer
bestätigt. Die 2 charismatischen Frontherren betreten die Bühne mit einem ihrem Orchester und bezaubern die Gäste mit
ihrer hochwertigen, handgemachten Musik. Während ihres gesamten Sets wird bewiesen, das gute Laune nicht immer
aus feuchtfröhlicher Feierei, sondern auch aus erhebend, ehrlicher Musik entstehen kann.
Dann endlich werden die schwarzen Segel des Vortags gesetzt und Vroudenspiel entern die Takelage
des Burgfolks. Jetzt wird sogar etwas für das Hirn getan. Denn mit Geschichten über vergangene Zeiten,die
Schwermut der See und allerhand berühmter, heimischer Freibeuter, werden wir mit zu unseren Vorfahren genommen und
spüren die Gischt der Meere auf unseren Gesichtern...möglicherweise,ist es aber auch das spritzende Bier des
Vordermannes, der sich bei den oft komödiantischen Einlagen von Vroudenspil bis zur Besinnungslosigkeit
lacht. Doch wer jetzt schon denkt, er wäre dem Tod durch Spaß sehr nahe, der war noch nie dem zerstörenden Humor von
Feuerschwanz ausgesetzt. Eröffnet wird mit Auf´s Leben der ja vom Text her schon zum "feiern bis zum Untergang"
animiert. Ab der ersten Sekunde dieses pompösen Konzerts ist klar, viele Gäste kamen einzig und allein, um mit Feuerschwanz
zu feiern. Nightshade begleitet diese etablierte Band schon seit vielen Jahren, doch ist jedes Konzert einzigartig
und mit zu vielen Details geschmückt, um Alles zu erzählen. Da wird zum Beispiel die Menge in 2 Lager aufgeteilt, damit "die 300
vom Hauptmann" ( Lager 1 ) mit "Team Hodi" ( Lager 2 ), den Refrain von Blöde Frage, Saufgelage! über den Schlosshof
schallen lassen. Ob die Eroberung einer diesmal nicht ganz so willigen Maid, oder einer Schlauchbootfahrt zum Bierstand, bei
dieser Band stimmt einfach alles. An diesem Abend kann man wieder einmal erkennen, das Feuerschwanz sich ihren Platz
verdient haben. Mit musikalischem Können, den inzwischen meisterlichen Gesangskünsten des Prinzen, oder Johannas gefühlvollem
Geigenspiel, ist jede Sekunde gefüllt mit Kurzweil und dem Spaß am Leben. Jeder Gast ist von ganzem Herzen dankbar über die
dargebrachten Freuden und authentisch imitierten Flatulenzen.
Genug mit dem Gelächter, jetzt wird es Zeit zum Träumen. Wie Geister aus einer Welt des Zwielichts und der Magie, betreten
Omnia die Bühne. Trotz kurzzeitigem Starkregen, hüllt sich der Schlosshof mit Nebelschwaden und einer geisterhaften Stille.
Mit ihrer ausgefeilten Bühnenshow, sowie ihrem ganz eigenen Gespür für Musik, führen uns Omnia in eine definitiv andere Welt.
Wer diese Band noch nicht gesehen hat, der sollte es schnell nachholen, denn hier kann man die Augenblicke der entspannten
Entrücktheit erleben, die in dieser schnellen Welt so selten sind. Manche Gäste berichten, dass sie sich nicht richtig an den
Auftritt erinnern können, wiederholen aber andächtig sehr prägnante Textzeilen wie "i don´t speak human". Es ist nur mit Worten
wie abgefahren, geerdet und sehr charismatisch beschreiben.
Leider neigt sich das Festival langsam dem Ende zu, aber nicht ohne einen sehr interessanten Abschlussakt.
Die Rede ist von der Band Russkaja. Die im Jahr 2005 in Wien gegründete Band, um Ex-Stahlhammersänger
Georgij Alexandrowitsch Makazaria begeistert nach änfanglichem Verwundern mit Weltmusik der Extraklasse. Zugegeben, die
ganze Szenerie ist etwas gewöhnungsbedürftig, weil man den Sprachenmischmasch kaum versteht, aber das feierwütige Volk lässt
sich nicht beirren. Alle springen tanzend herum und fressen Makazaria aus der Hand. Für Nichtkenner wirkt das ganze
"Umta-Umta" bestimmt verstörend aber man muss zugeben, dass hier Profis am Werk sind. Nach ca. 100 Minuten Show, ist aber auch
dieses Konzert vorbei und das Volk zu Mühlheim begibt sich mehr oder weniger aufrecht nach Hause.
Abschließend war es mal wieder ein grandioses Fest und wir bedanken uns bei Michael Bohnes für die Organisation, sowie
den besten Sanitätern und unseren Lieblingssecuritys, die uns erneut so gut behütet haben.
Bildergalerie zur Circle J
Bildergalerie zur Celtica
Bildergalerie zur Tanzwut
Bildergalerie zur Heimataerde
Bildergalerie zur The O´Reillys and the Paddyhats
Bildergalerie zur Punch´N´Judy
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Bildergalerie zur Vroudenspil
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