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London After Midnight: Live in Dresden, 18. Juli 2014

Mein Tag hat vierundzwanzig Stunden. Der 18. Juli 2014 ebenso. 5.30 Uhr werde ich von meinem quietschvergnügten Sohn geweckt. Um 09.00 Uhr haben wir bereits gefrühstückt, sind eine Runde durch den Garten geflitzt und besuchen die Uroma. Genau heute ist der Tag, an dem mein Sohn beschließt, Mittagsschlaf als doof und völlig unnütz zu empfinden und über das Gitterbett zu krabbeln. Nach einem intensiven Nachmittag mit Sandburgen bauen, schaukeln und planschen, brauchen mein Mann und ich über neunzig Minuten, um den kleinen Prinzen zum Einschlafen zu bewegen. Wir sind fix und fertig und überlegen kurzzeitig daheim zu bleiben.

Es ist bereits kurz nach 20.00 Uhr als wir mit unserem Abendbrot-to-go gen Dresden aufbrechen. Nach eineinhalb Stunden Fahrt, erstrahlt die Frauenkirche vor uns in ihrer schönsten Pracht und wir wissen: Wir sind daheim! Liebes Dresden, schön ist es, bei Dir zu sein… Kurz nach 22.30 Uhr erreichen wir die Reithalle und hören gerade noch die letzten Töne der Vorband. Wunderbar - pünktlich angekommen. Nichts verpasst und die Hoffnung, dass der Abend nicht so lang werden wird. Leider ist uns aus vergangenen London After Midnight Konzertbesuchen noch bekannt, dass die Band gerne auf sich warten lässt. So erscheinen immer wieder "Alibi-Techniker" auf der Bühne und geben vor die letzten Details zu checken. Nach fast einer Stunde Umbaupause bekomme ich schlechte Laune und werde müde. Die Luft ist stickig, es sind gefühlte 45 Grad und ich bin froh, dass die Reithalle nur spärlich gefüllt ist. Dies ist übrigens ein Phänomen. Während bei Festivalauftritten bei LAM immer dichtes Gedränge herrscht, wird von den Einzelkonzerten kaum Notiz genommen. Schade eigentlich. Neben Dresden spielt die Band 2014 nur noch in Frankfurt und Köln.

Endlich ist es soweit. Nebel über Nebel und die Band betritt die Bühne. Gleich beim ersten Ton fühle ich mich wohl und genieße es dabei zu sein. Ach Sean - Du schaust schön aus - wie immer. Manche werden im Alter dicker - Du immer dünner? Die Jahre haben Spuren in Deinem Gesicht gezeichnet. Die Musiker sind guter Laune und spielen ihr Set. Nach einer so langen Umbaupause ist es kaum vorstellbar, dass die Technik Probleme bereitet. Extra für die Europa-Tour wurde ein neuer Bass angeschafft - genau dieser funktioniert die nächsten zwei Stunden nicht wirklich. Aus der Not wird Unterhaltung pur. Vor fast jedem Song gibt es kleine Anekdote zu hören, um die technische Misere zu überbrücken. Das Publikum erfährt, dass Sean Rozz Williams kennenlernen durfte (oder besser seine Wodkaflasche) und dass Sean gestalkt wurde von einer Frau, die letztlich einen Massenmörder zum Opfer fiel. Die Videoprojektion gibt im Verlauf des Abends ihren Geist auf.

Man hat das Gefühl, je mehr schief geht, umso lockerer werden die Jungs auf der Bühne. Sean animiert das Publikum nach vorn zu kommen und Stories zum Besten zu geben - ich erwäge ernsthaft von meinem Tag zu berichten, traue mich dann aber nicht. Kann schließlich nicht von einem begeisterten Fan berichten, der über die Feuerleiter auf den Balkon klettert oder von wilden Parties - nur von Windeln und Trotzanfällen. Irgendwann ist auch Sean genervt und gibt bekannt, dass zum heutigen Tourauftakt einfach nur alles schief gegangen ist, was schief gehen kann. Die Plauderlaune der Jungs rückt die Band für mich in ein völlig anderes Licht. Aus den unnahbar wirkenden Introvertierten, werden gesellige Wesen mit Humor. Innerhalb der Bandkarriere wurden in den 24 Jahren nur - noch aktuell vier erhältliche Alben - veröffentlicht. Umso aufregender war es, zwei neue Songs im gewohnten Stil hören zu dürfen. Mein Jugendhit Spider and the Fly wurde auch gespielt und entführt mich in eine Welt vor ca. 15 Jahren - damals, als ich jugendlich war und meinte, ohne diesen Song nicht weiterleben zu können. London After Midnight sind bekannt sich für politische Belange einzusetzen, was innerhalb der Szene immer noch eine Ausnahme ist. Daher vermisse ich an diesem Abend - gerade mit Blick auf die aktuelle politische Lage Feeling Fashist?. Nach zwei Stunden war das Konzert etwas abrupt mit nur einer Zugabe zu Ende.

Ohje, es war bereits 0.30 Uhr und über 100 km lagen noch vor uns. Erinnert an unverzichtbare Jugendlieder spiele ich meinen Mann im Auto immer wieder Second Decay I Hate Berlin vor, singe lautstark mit und knurre "Orr, ich hab Rücken -Hilfe!", woraufhin mein Mann stöhnt "Ohje und ich erst…" Ja wir sind keine Zwanzig mehr… Gegen 2.30 Uhr fallen wir erschöpft ins Bett. Bereits 5.45 Uhr höre ich im Nebenraum "Mama, Papa!!!"… Mein Tag hat 24 Stunden. Manchmal wünsche ich mir, er wäre länger, manchmal, er würde schneller vergehen. Ich bin immer noch erschöpft, jedoch zutiefst glücklich.

www.londonaftermidnight.com

23.07.2014 by Eisprinzessin

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