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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Agathodaimon: Back to the roots

Alle Jahre wieder zaubern Agathodaimon ein Lächeln auf die Gesichter all derer Metal Fans, die sich den dunklen Variationen ihres Genres zugetan fühlen. Nämlich imemr dann, wenn die Bande um Gründer Sathonys ein neues Album veröffentlicht.
Im Sommer gab es endlich wieder ein neues - Betitelt In Darkness und musikalisch ein absolutes Highlight. Anlässlich dieses Ereignisses habe ich der Band ein paar Fragen geschickt, welche mir Sathonys dann letztlich beantwortet hat.

Otti:
Es hat - wie eigentlich immer - mal wieder ein paar Jahre gedauert, bis ihr ein neues Album heraus gebracht habt. Wie darf man sich denn den Reifeprozess von In Darkness vorstellen?

Sathonys:
Langwierig! Nach dem Release von Phoenix hatten wir eigentlich vor, recht zügig den Nachfolger anzugehen. Das Songwriting war schon sehr weit fortgeschritten; allerdings wurde mehr und mehr deutlich, dass wir uns von unseren Wurzeln entfernten. Nach einigen Diskussionen zogen wir die Konsequenzen, was letztendlich zu Besetzungswechseln führte. Darüberhinaus fingen wir beim Songwriting quasi wieder bei Null an, nachdem wir uns auf eine Marschrichtung und Zielsetzung geeinigt hatten.


"Letztendlich liegt es am Volk, was es sich alles gefallen läßt."

Otti:
Darf man den Titel des Albums denn als Bekenntnis zur dunklen Seite der Macht sehen?

Sathonys:
Der Titel soll in erster Linie ohne große Schnörkel darstellen, in welche Richtung das Material tendiert. Er ist simpel und plakativ, dementsprechend wenig missverständlich. Das letzte Album erschien uns rückblickend nicht düster genug...

Otti:
Das Cover-Artwork ist ja mal wieder fantastisch ausgefallen. Wer steckt eigentlich dahinter? Und wieviel Wert hat solche Kunst noch in Zeiten, wo immer mehr Menschen über Downloads und Streams ihre Musik beziehen?

Sathonys:
Das Artwork haben Strychneen Studio bzw. Hicham Haddaji beigesteuert. Ein sehr talentierter Künstler aus Frankfreich... Ich hatte lange auf Plattformen wie Deviantart nach potentiellen Künstlern Ausschau gehalten und stieß dann per Zufall auf Hicham, ausgerechnet über Facebook. Nach einigen Gesprächen hatten wir uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Was den Wert eines Covers angeht... Nun, irgendwie ist das Cover ja immer auch quasi das Gesicht eines Albums. Selbst auf digitaler Ebene ist das Cover noch nicht völlig verschwunden... Und wenn man bedenkt, welche Diskussionen es bzgl. Artworkgröße beim Wechsel von LP auf CD gab - bislang gab es vergleichsweise wenig Aufruhr im Vergleich zur Covergröße CD -> iPhone-Format. Mag sein, dass es weniger wichtig ist als früher, aber für uns ist das Artwork bzw. Booklet nach wie vor ein wichtiger Faktor, der auch einen Teil der Atmosphäre des Albums ausmacht.

Otti:
Es mag meine subjektive Sicht sein, aber ich finde, im vergleich zu Phoenix seid ihr auf In Darkness wieder stärker zu euren Wurzeln zurück gekehrt. Wie seht ihr das selbst, und wie bewusst gehen solche Prozesse vonstatten?

Sathonys:
Wie eingangs erwähnt, es war absolut unser Ziel, uns wieder an den Wurzeln zu orientieren. Der Wunsch dies zu tun, beziehungsweise die Notwendigkeit dazu, das wurde uns allerdings erst bei den Vorbereitungen zum Nachfolger von Phoenixbewusst.

Otti:
Allgemeiner gefragt: Was ist in euren Augen die größte Stärke dieses Albums?

Sathonys:
Das Album wirkt natürlicher, für mich persönlich besitzt es mehr bandtypisches Feeling als sein Vorgänger. Wir haben uns Zeit genommen, um unverkrampft und gelassen an den Songs zu arbeiten. Es war uns wichtig, dass die Songs Ausstrahlung besitzen, die Atmosphäre stand im Vordergrund, egal ob die Songstruktur unkonventionell sein möge oder nicht. Für mich transportiert die Scheibe die Essenz der Anfangstage und bietet dennoch eine gute Übersicht über unsere bisherige Entwicklung.

Otti:
Den Song Adio habt ihr ja auch in einer Akustik-Version aufgenommen, die mir persönlich unglaublich gut gefällt. Was hat euch denn dazu bewogen, und wäre ein Akustik-Album vielleicht sogar mal eine Option für die Zukunft?

Sathonys:
Nun, es ist auf alle Fälle überraschend, dass der Song von recht vielen Leuten erwähnt wird. Prinzipiell könnte ich mir zwar vorstellen, dass wir ein ähnliches Experiment in Zukunft wagen, allerdings ist nichts geplant - und ein komplettes Akustik-Album erscheint mir dann doch zu abwegig.

Otti:
Wenn ihr euch an die Anfangszeit von Agathodaimon erinnert: Welche Träume und Vorstellungen hattet ihr seinerzeit, und wie haben sich diese im Laufe der Jahre erfüllt oder verändert?

Sathonys:
Als ich die Band gründete, gab es eigentlich kein konkretes Ziel - wir wollten einfach zusammen Musik machen und sehen, wie weit wir kommen. Es war ein fantastisches Gefühl, das erste eigene Demo in der Hand zu haben. Ich weiß noch, wie ich 1996 mit einem Rohmix unseres ersten Songs Sfintit Cu Roua Suferintii zusammen mit Matthias (ex-Schlagzeuger) zu einem Satyricon-Konzert nach Stuttgart in die Röhre gefahren bin. Zu dem Zeitpunkt war lediglich Schlagzeug und Gitarre fertig, aber wir haben uns gefühlt wie Könige. Jetzt hatten wir eine eigene Band, die irgendwann auch mal Konzerte spielen würde. Die Röhre in Stuttgart war denn letztendlich einer der Meilensteine, die wir uns gesetzt hatten - und ich glaube, wir haben letztendlich drei mal dort gespielt, bis sie geschlossen wurde. Oder auf Wacken oder dem Wave Gotik Treffen zu spielen (was damals noch etwas cooler war als heute...), die erste Support-Tour, die erste Headliner-Tour... es gab etliche tolle Momente. Wirkliche "Träume" gab es aber eigentlich nicht, wir waren recht realistisch in unserer Zielsetzung - von der Musik zu leben war nie unser Wunsch. Das klingt auf Anhieb zwar verlockend, aber wir sprechen nur eine Randgruppe an, das hätte zu wenig kommerzielles Potential - was mit entsprechenden Nachjustierungen zu korrigieren wäre. Das muss nicht sein, davon hätten weder wir noch die Fans etwas.

Otti:
Das hat zwar jetzt nichts mit eurer Musik zu tun, aber aktuell beschäftigt ja der NSA-Überwachungsskandal so manche Menschen in Deutschland und Europa. Ist das etwas, was auch euch beeinflusst? Und wenn ja, was denkt ihr darüber?

Sathonys:
In gewisser Weise ist es nichts neues - ich arbeite im IT-Bereich, insofern bin ich mir auch bewusst, welche Menge und welche Art von Daten heutzutage übers Netz gehen. Postgeheimnis und ähnliches wäre zwar nett, aber es ist einfach zu leicht, Daten abzugreifen. Die beste Sicherheit ist nach wie vor, alles offline zu lassen, was nicht online sein muss. Ich bin allerdings recht unbeeindruckt von den Enthüllungen. Wer sich durch meine Mails lesen oder Telefonate abhören will, wird wohl nicht viel aufregendes entdecken. Dennoch bin ich absolut kein Freund dieser scheinheiligen Datensammelwut und klar dagegen. Aber überrascht bin ich eben nicht - dennoch überrascht mich die Art, wie fast alle Involvierten so tun, als ob gar nichts passieren würde bzw. niemand von irgendwem irgendetwas davon wusste. Aber was will man von der Politik groß erwarten... Und letztendlich liegt es am Volk, was es sich alles gefallen läßt.

Otti:
Ihr habt euch ja 1995 gegründet, und somit als Band zum einen die Vor-Internetzeit erlebt, aber auch die komplette Entwicklung des digitalen Zeitalters. Wünscht ihr euch da schonmal die "guten, alten Zeiten" zurück, oder hat euch das World Wide Web eher Vorteile gebracht?

Sathonys:
Die Zeit damals hatte durchaus einen anderen Reiz. Heute ist alles verfügbar, und alles im Überfluss. Damals bin ich mit einem Freund in den Bus gestiegen und eine Stunde unterwegs gewesen um in einen Plattenladen zu fahren, der auch Metal führte - dort haben wir Scheiben probegehört und uns zwei Alben ausgesucht, die uns beiden potentiell gefielen, damit wir sie untereinander austauschen konnten. Schließlich hatte jeder nur Geld für eine LP. Heute wird man mit tausenden von Alben über Streams erschlagen oder lädt sich mal nebenbei gratis die komplette Diskographie einer Band runter... Aber natürlich möchte ich mir das Internet nicht wegdenken. Die Möglichkeit, global zu kommunizieren oder sich zu präsentieren ist natürlich fantastisch. Früher hatte man als Tapetrader Unsummen von Geld in Porto und Kassetten gesteckt, um Musik zu tauschen oder Demos zu verschicken. Ganz zu schweigen vom Zeitaufwand - ich hatte etwa 2000 unserer Demos bei mir daheim manuell produziert, von der Master-CD auf Tape überspielt. Das waren über 1000 Stunden, die allein fürs "Produzieren" der Demos drauf gingen. Dazu das zurechtschneiden und kleben der im Copyshop angefertigten Booklets... Da lobe ich mir doch MP3’s...

Otti:
Es gibt soviele Plattformen, auf denen man sich heutzutage als Musiker präsentieren kann - MySpace, Facebook, Youtube, Spotify, Soundcloud... Um nur einige zu nennen. Welche Wege bevorzugt ihr davon, und wieso?

Sathonys:
Heutzutage primär Facebook, auch wenn ich die Plattform nicht sehr mag. Myspace war vor einigen Jahren einfach genial, bis einschneidende Änderungen in der Handhabung und den Änderungsmöglichkeiten quasi über Nacht für das Aus sorgten. Das war verdammt ärgerlich - ich hatte da einiges an Arbeit reingesteckt. Mittlerweile habe ich den Account nach dem neuerlichen Relaunch zwar reaktiviert, aber ich bezweifle, dass sich diese Community erholen wird. Aber wie gesagt, an Facebook kommt man derzeit nicht wirklich vorbei, insofern liegt die Priorität dort.

Otti:
Wenn man Mitglied von Agathodaimon ist... Welche besonders skurrilen Erlebnisse hat man dann eigentlich mit Groupies, aufdringlichen Fans und ähnlichem?

Sathonys:
Nun, wir sind vielleicht nicht das Paradebeispiel für eine Band, die von Horden schreiender Groupies belagert wird, aber dennoch gab es so einige interessante Situationen. Mitunter gab es auch Stalker oder Fans, die in diversen Communities nach außen hin so taten, als ob sie ein Musiker der Band wären. Erst gestern schrieb mir eine Dame, ob es stimmt, das ihr Bekannter früher Gitarre bei uns gespielt hätte, weil er das ständig behaupten würde. Ich hatte eine Zeitlang scheinbar auch einen Doppelgänger in Köln, und es gab wirre Stories über Frauen, die behaupteten, mal etwas mit mir gehabt zu haben, obwohl ich sie nicht einmal kannte - diffuses Zeug.

Otti:
In zwei Jahren gilt es, dass zwanzigjährige Bandjubiläum zu zelebrieren. Habt ihr euch da bereits Gedanken gemacht, wie man sowas gebührend feiern kann?

Sathonys:
Wie immer, mit viel Koks und Nutten.

Otti:
Und wie fühlt sich die Aussicht auf solch einen runden und im Musikbusiness definitiv auch hohen Geburtstag generell an?

Sathonys:
Ehrlich gesagt, mich erstaunt es selbst immer wieder, dass schon soviel Zeit vergangen ist. Vielleicht ist Zeit hier auch relativ, da sich meine Einstellung zur Musik oder Ausrichtung der Band nicht grundlegend geändert hat. Wir haben jedenfalls noch keine Pläne, aufzuhören...

Otti:
Gerüchteweise wollt ihr demnächst auch mal wieder Konzerte spielen... Wie weit seid ihr denn hierbei mit euren Planungen?

Sathonys:
Momentan prüfen wir gerade, ob wir mit einer Booking Agentur arbeiten, darüber hinaus sind einige Konzerte in Planung, die ersten gerade bestätigt. Infos wird es rechtzeitig über unsere Webseite und Facebook geben.

Otti:
Und abschließend sei euch noch eine Danksagung gestattet: Wer hat euch denn im bisherigen Verlauf des Jahres 2013 die größte Freude bereitet?

Sathonys:
Da ich jetzt nur für mich sprechen könnte, wäre die Aussage nicht representativ - aber die größte Freude war sicher die Arbeit und Fertigstellung des Albums, bzw. das entspannte Feeling innerhalb der Band. Bei der letzten Scheibe gab es einige Spannungen, welche die Besetzungswechsel einige Zeit später schon indirekt andeuteten. Insofern war es beruhigend und befriedigend zu erfahren, dass die Chemie wieder stimmte. Also, Daumen drücken dass die nächste Scheibe nicht lange auf sich warten lässt...

www.agathodaimon.de

Pictures by Natalia Kempin

Art des Interviews: Email
08.10.2013 by Otti
Agathodaimon in unserer Band- und Künstlerdatenbank

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