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The Other: New Blood

The Other gehört zu jenen Bands, die Horrorpunk nicht nur ob des offensichtlichen Spaß Faktors betreiben. Natürlich ist der Name Programm, doch es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen den vier Kölnern und anderen Gruppen des Genres. The Other, die übrigens im Jahre 2002 im nordrhein-westfälischen Leichlingen das Licht der Welt erblickten, singen nicht nur über Horrorfilme, Serienstraftäter oder Geisterbahnen. Ihre Texte haben Tiefgang. Schaut man unter die Oberfläche in den Subtext, erkennt man Ungeahntes.
Rod Usher, Sargeant von Rock, Andy Only und Dr. Caligari musizierten allerdings schon drei Jahre lang als The Ghouls, eine der erfolgreichsten Misfits-Coverbands, zusammen, bevor sie sich umbenannten und anfingen, eigene Musik zu machen. "Die Ghouls liefen damals als Coverband hervorragend und wir wollten das Konzept nicht verwässern, in dem wir bei Covershows zu viele eigene Songs spielen. Gleichzeitig wollten wir nicht, dass bei unseren eigenen Konzerten immer nach Misfits-Songs verlangt würde. Also haben wir das Ganze namentlich getrennt."

Zur Bedeutung des Bandnamens sagt Fronter Rod Usher: "The Other war damals eine Bezeichnung, auf die ich im Studium immer wieder gestoßen bin, wenn es um das Fremde/das Unbekannte in der Gothic-Literature ging. Und das passte natürlich hervorragend zu uns." Um ganz genau zu sein, bezeichnet es die entfremdete Angst, die als das monströse Andere wiederkehrt (siehe Freud; Es, Ich, Über-Ich).

Das erste Album der Kölner Düsterrocker, They’re alive, erschien 2004 auf Fiend Force Records, Ushers selbstgegründetem Label. Es enthält 13 Songs, denen der Einfluss der Horrorpunk-Urväter The Misfits noch sehr stark anzuhören ist. Im Vergleich zu den späteren Veröffentlichungen mag das Debüt ein wenig einseitig erscheinen. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei They’re alive definitiv um eine jener Scheiben, die notwendigerweise in jeder Plattensammlung vorhanden sein sollte, denn sie vermittelt die Spookiness auf eine Art und Weise, wie es kaum ein anderes Horrorpunk-Album geschafft hat.
Selbst jemand, der die Scheibe nicht kennt, wird live durch die eingängigen Whoooaaaah-Parts sofort zum Mitsingen animiert. Ich bin leider kein Fan der ersten Stunde, deshalb habe ich nicht das ganze Album live miterleben können. Allerdings waren einige Songs in der Setlist bei Hell Nights 2009 (Mini Festival-Tour) vertreten und glaubt mir eins: Die haben gerockt!

Das 2006 veröffentlichte Album We are who we eat ist im Vergleich zum Erstling um einiges vielseitiger. Mit 13 Songs plus Hidden Track lassen die Vier ein wahres Feuerwerk an harten Gitarrenriffs, creepy Texten und subversivem Gedankengut, gleichzeitig jedoch schier nicht enden wollender gute Laune auf die Menschheit los. Mit Liedern wie The Ghosts of Hollywood, einer Hommage an die Ikonen des Horrorfilms, oder We are the other ones, mit dem The Other ganz klar Stellung dazu beziehen, anders zu sein, erobern sie die Herzen der Fans im Sturm. Letzterer Song gehört standardmäßig zur Setlist, weil er "live wahnsinnig gut ankommt. Wir haben ihn öfter mal auch nicht in der Setlist und danach wird immer gemeckert, warum wir We are the other ones nicht gespielt hätten."

Auch mit dem 2008 folgenden dritten Streich The Place to bleed beweisen die Horrorpunks eindrucksvoll, dass sie schon lange aus dem Schatten ihrer Vorbilder getreten sind. Dem, der die vorherigen Alben kennt, wird nicht entgehen, dass sich The Other extrem weiterentwickelt haben. Mit dem 2006er Album haben sie gezeigt, dass sie vielseitig klingen können, die dritte Scheibe jedoch strotzt nur so vor Komplexität. Zum ersten Mal ist ein Lied komplett auf Deutsch namens Der Tod steht dir gut vorhanden. Auch, wenn es auf We are who we eat immerhin eine deutsche Strophe gibt, dürfte das den einen oder anderen Fan überraschen. Laut Usher, dem es sichtlich Spaß macht, auf Deutsch zu schreiben, "weil man die (schönen) Horror-Klischees von Night, Darkness und Dead verlassen kann und muss, hat sich der Song mittlerweile als echter Hit etabliert, der live besonders gefeiert wird. (Vgl. Interview)
Inzwischen hat sich eine weitere signifikante Veränderung zugetragen. Andy Only, der bisherige Bassist der Band, wurde von Migore Drake abgelöst, der nun seit 2007 an der Seite von Usher, von Rock und Caligari Angst und Schrecken verbreitet. Die sich daraus ergebenden musikalischen Unterschiede beschreibt Fronter Usher wie folgt: "Verändert hat sich, dass Andy eher straight und punkig gespielt hat und Migore seinen Bass etwas experimenteller bearbeitet. Aufs Songswriting hat das allerdings keinen großen Einfluss."

Nun, am 21. Mai 2010 ist es schließlich soweit. The Other veröffentlichen ihr viertes Album, welches den Namen New Blood trägt. Zur Bedeutung des Titel sagte der Sänger der Band folgendes: "New Blood bezeichnet die Aufbruchstimmung, die wir derzeit erleben. [...] Und ganz nebenbei ist New Blood auch eine Kritik an dem unsäglichen Teenie-Horror von New Moon, in dem Blut und Sex einfach ausgeblendet werden." (siehe Interview) Dabei gibt es eine Änderung von äußerster Signifikanz. Europaweit erscheint die Scheibe nun nicht mehr auf Fiendforce Records, sondern bei Steamhammer/SPV. Das ist ein wichtiger Schritt für die vier Kölner, schließlich stellt sich mit einem größeren Label auch größerer Erfolg ein. Verdient haben es die Jungs allemal.
Nach drei hervorragenden Alben folgt nun das bisher komplexeste Werk von Europas populärster Horrorpunk-Band. Begonnen wird, wie auch auf We are who we eat und The Place to bleed, mit einem Intro. "Wir beginnen ein Album eben gerne mit etwas stimmungsvollen Tönen, um eine Gruselatmosphäre zu erzeugen."
Nach diesem schaurigen Einstieg geht es gleich in die Vollen. Back to the Cemetary, das zweite Lied der Scheibe, beginnt recht langsam und kraftvoll, steigert sich dann zu einem jener Songs, bei denen man einfach mitsingen muss und erreicht in eingängigem Refrain, die sich schon nach dem ersten Mal hören im Ohr festsetzen, seinen Höhepunkt. Das Gefühl, jeden Takt mitbangen zu müssen, hält sich hartnäckig.
Auch bei Ghost Ride to Hell ist das der Fall, einem Track, der schon bei Sekunde 1 wirkt wie ein Schlag mitten ins Gesicht. Pogo ist vorprogrammiert.
Mit Hier kommt die Dunkelheit hat Usher den metaphorischen Vogel abgeschossen. Sehr gut geschriebener Text meets Gitarrenriffs der Superlative. Meiner Meinung nach handelt es sich bei dem einzigen deutschen Titel des Albums gleichzeitig um einen der besten, auch ohne Whooah-whooooah im Refrain animiert er sofort zum Mitsingen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er die Tradition von Der Tod steht dir gut perfekt weiterführen wird, denn auch Hier kommt die Dunkelheit hat ohne Zweifel das Potenzial, sich sofort in die Herzen der Fiends zu spielen.
Auch The Burial führt eine Tradition fort. Nämlich die, auf dem neuesten Album genau das Lied zu sein, das auf einer von E.A. Poes Kurzgeschichten beruht. "Mit The Burial greifen wir die Geschichte The Premature Burial auf, in der ein Mann immer wieder in eine Art Kurzkoma fällt und dadurch eine Phobie davor entwickelt, in diesem Zustand lebendig begraben zu werden. Am Ende scheint dieser Fall wirklich eingetreten zu sein. Wir haben uns allerdings wieder mal gewisse Freiheiten erlaubt und uns einfach auf die Emotionen konzentriert, die ein lebendig Begrabener wohl durchmachen muss." The Burial ist ein Ohrwurm ohnegleichen, mit eingängiger Melodie und einfachem Text, zumindest im Refrain, und mit dem Horrorpunk-typischen Whoaaaah-Part im Chorus ein Song, der wie geschaffen ist zum laut Mitsingen. Eine positive Überraschung für mich ist ein Zitat von Poe in das Lied eingearbeitet. "The boundaries which divide life from death are at best shadowy and vague. Who should say where the one ends, and where the other begins?"
Bei Castle Rock hat man das Gefühl, dass alles ein bisschen anders ist. Schnelle Strophen, langsamerer Chorus. Nichtsdestotrotz ein Song, der zum Pogen einlädt.
Mit The Lovesick Mind gibt es sogar eine Ballade auf dem Album, die dem, der minutenlang mit Headbangen beschäftigt war, die Möglichkeit zum Verschnaufen einräumt.
Dafür geht es bei Talk to the dead munter weiter. Thematisch geht es darum, durch ein sogenanntes Ouija Board (Hexenbrett) mit den Toten zu sprechen. Dabei singt Usher aber nicht aus der Perspektive des Lebenden, sondern aus der des anzurufenden Toten.
Neben The Burial enthält ein weiteres Lied ein Zitat. In Demons walk the earth ist mit "That is not dead which can eternal lie. And with strange aeons even death may die." ein Stück Text aus H.P. Lovecrafts Call of Cthulhu eingearbeitet.
Auch die restlichen zwei Songs der Platte sind echte Ohrwürmer, die man nur schwer wieder loswird, falls man das überhaupt möchte. Ich möchte definitiv nicht.
Besonders das letzte Lied des Albums, We all bleed red, ist sehr gut gelungen. Ein formvollendeter Abschluss der Scheibe. Gekonntes Fading out ganz am Ende des Tracks suggeriert dem Hörer, die Repeatfunktion zu betätigen und das ganze Teil von vorne bis hinten gleich noch einmal zu hören.

Alles in allem gibt es zwei Dinge zu sagen. The Other haben sich in den Jahren ihres Bestehens sehr weiterentwickelt. Sie sind schon lange aus dem Schatten ihrer Vorbilder herausgetreten und beweisen wieder mal, dass sie vor allem eins sind: The Other. Sie haben unglaublich großes Potenzial. Das Ende der Fahnenstange ist für die vier Kölner Monster mit Sicherheit noch lange noch nicht erreicht.

Trackliste New Blood
1. New Blood
2. Back to the Cemetary
3. Transylvania
4. Ghost Ride to Hell
5. Hier kommt die Dunkelheit
6. The Burial
7. Castle Rock
8. The Lovesick Mind
9. Talk to the Dead
10. Blood runs cold
11. In leage with the devil
12. Demons walk the earth
13. Howling at the moon
14. We all bleed red

Veröffentlichung: 21.05.2010

The Other - Website

04.05.2010 by DrunkenGypsy
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