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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Zeraphine

Zeraphine... Ja... wer sich ein wenig mehr auf unserer Website umgeschaut hat, könnte diesem Namen schon häufiger begegnet sein. Einfach weil die meisten Redaktionsmitglieder diese Band wohl zumindest zu ihren Favoriten zählen.
Das Email-Interview haben Sijaita und ich (Otti) dann auch eines schönen nachmittags gemeinsam vorbereitet. Und da ja nun auch das Release des neuen Albums Still vor der Tür steht, freuen wir uns besonders über die tollen und ausführlichen Antworten des Sängers Sven Friedrich.

Otti:
Zeraphine ist sicher mittlerweile vielen Leuten in der Schwarzen Szene ein Begriff. Wenn nun aber jemand noch nichts über euch weiß, noch keinen Song von euch gehört hat, wie würdet ihr euch beschreiben?

Sven:
Das finde ich sehr schwierig. Ich hab irgendwo mal gelesen, wir machen progressive Rockmusik, mit teils melancholischen, teils aggressiven Elementen, überraschenden Synths, angesiedelt irgendwo zwischen Gothic und Alternative. Ich glaub, das ist ganz treffend formuliert...


"Ich finde es sehr spannend, mit Gegensätzen zu arbeiten, oder auch in unterschiedlichen Sprachen."

Otti:
Ende des Monats erscheint dann auch euer neues Album Still. Wie waren die bisherigen Reaktionen seitens der Presse, und mit welchem Gefühl schaut ihr dem Release entgegen?

Sven:
Wir sind sehr euphorisch, weil wir mit dem Album unsere kühnsten Soundvorstellungen übertroffen haben *g*. Nee, es ist wirklich so. Wir sind wirklich begeistert von dem Ergebnis der Studioarbeit und freuen uns sehr auf das Erscheinen. Die Reaktionen der Presse sind fast ausschließlich sehr positiv, teilweise ebenso euphorisch... ein paar Songs gab es ja schon auf Compilations zu hören und auch die Resonanz der Fans scheint sehr gut zu sein. Aber genauer wissen wir das, wenn das Album wirklich draußen ist.

Sijaita:
Wie kam es eigentlich zum Albumstitel Still? Das Album ist ja eigentlich alles andere als still...

Sven:
Stimmt. Wir haben beim Albumtitel immer schon mit Gegensätzen gespielt. Diesmal verlässt der Gegensatz die verbale Ebene. Denn hier ist es der Gegensatz zwischen der ersten Assoziation mit dem Wort ´Still´, die ja größtenteils eher romantisch und angenehm ist, und dem ´Still´, das wir meinen. Dieses ´Still´ hat etwas bedrohliches, es ist vergleichbar mit einer Leere, die einen erdrückt. Das wird aber recht schnell klar, wenn man den gleichnamigen Song hört. Außerdem ist ´Still´ zweisprachig und kann sogar die selbe Bedeutung haben.

Sijaita:
Ihr habt euch bisher sonst immer auf einen Bauernhof im Spreewald zurückgezogen, um dort hauptsächlich theoretisch am neuen Material zu arbeiten. Diesmal habt ihr jedoch darauf verzichtet - hatte das einen besonderen Grund?

Sven:
Wir haben die Phase im Spreewald meistens dazu genutzt, an den Kompositionen zu arbeiten, Fragmente zu Songs zusammenzufügen. Das war diesmal nicht wirklich notwendig, da die Songs schon recht weit fortgeschritten waren. Also haben wir uns überlegt, wie wir die Zeit trotzdem sinnvoll nutzen können, und haben uns entschlossen, im Studio auf den Songs zu jammen, was auch eine neue Erfahrung war. So haben wir mit der kompletten Band die Songs gespielt, konnten gleich mitschneiden, an bestimmten Teilen und Übergängen arbeiten, und uns beim arrangieren in die Augen schauen. Ich denke, dadurch ist das Album deutlich Band- mäßiger geworden, als die Vorgänger. Es ist einfach eine sehr intensive Art des Arrangierens, weil jeder spontan Ideen entwickelt, wenn er an seinem Instrument steht.

Otti:
Wenn man euere Musik, aber auch alles was dazu gehört, dann spielt ihr gerne mit Gegensätzen, bzw arbeitet immer in zwei Richtungen. Die Albentitel enthalten Oxymorone oder lassen sich wie bei Still zweisprachig interpretieren, es gibt deutsche und englische Texte, und die Texte bewegen sich zwischen optimistischer Euphorie und fast depressiver Melancholie. Hat das einen besonderen Hintergrund?

Sven:
Ich finde es sehr spannend, mit Gegensätzen zu arbeiten, oder auch in unterschiedlichen Sprachen. Ich denke, man kann alles von mehreren Gesichtspunkten aus betrachten, und das versuche ich auch zu tun. Natürlich schlägt sich das extrem in Texten und in der Musik nieder, denn da geht es mir natürlich besonders um Dinge, die mich sehr beschäftigen. Ich finde es auch interessant, Dinge zu personifizieren, um sie anders wahrzunehmen, bzw. um den Hörer anzuregen, sie anders wahrzunehmen. Ich glaube alles ist würdig, hinterfragt oder beleuchtet zu werden.

Otti:
Insgesamt bewegt ihr euch musikalisch zwischen Alternative- und Gothic-Rock, und habt doch eueren eigenen Stil, laßt euch nicht gerne in Schubladen stecken. Wie wichtig ist euch denn die Verbundenheit zur Szene? Und wie wichtig ist euch kommerzieller Erfolg?

Sven:
Es ist beides auf unterschiedliche Art wichtig. Natürlich sind wir der Goth- Szene sehr verbunden, denn da kommt ein Großteil unserer Fans her und ich ebenso. Es ist eine sehr angenehme, tiefgründige Szene und es macht Spaß, sich mit den Leuten zu unterhalten. Andererseits haben wir auch viele Fans, die mit Gothic nicht so viel zu tun haben, was wir ebenfalls sehr begrüßen, denn wir machen ja Musik und sind keine Kirche oder Religionsgemeinschaft. Jeder der unsere Musik mag, ist uns willkommen. Ich würde mich gern hinstellen und behaupten, dass uns kommerzieller Erfolg komplett unwichtig ist. So kann es aber nicht sein. Wir müssen Alben verkaufen, um weitere Alben finanzieren zu können. Wir produzieren sehr kostspielig, wir waren jetzt für die Aufnahmen zu ´Still´ 3 Monate in einem der besten Studios der Stadt, aber das ist auch ein Garant dafür, dass unsere Alben genau so klingen, wie wir es haben wollen. Nun ja, um uns das leisten zu können, müssen halt Platten verkauft werden, denn wir werden sicher niemals ein Album rausbringen, was uns nicht gefällt. An dieser Problematik sind schon viele Bands gescheitert. Aber glücklicher Weise wissen unsere Fans, dass es so ist und kaufen die Alben, anstatt sie sich illegal zu downloaden oder zu kopieren. Wie Du siehst, geht es uns tatsächlich nicht wirklich um persönlichen Reichtum, sondern um die Verwirklichung von ´Zeraphine´ und allem, was dazugehört.

Otti:
Ein textlich immer wiederkehrendes Element ist die Liebe, vor allem aber auch ihre schmerzhaften und vergänglichen Seiten. Nun schreibst Du ja die Texte und bist meines Wissens nach aber seit Jahren glücklich vergeben, wie passt das zusammen?

Sven:
Es geht mir garnicht so sehr um Liebe, sondern auch um Freundschaften, Personen, die mir wichtig sind oder waren, um Vergänglichkeit. Da ich aber versuche, in den Texten nicht meine Geschichten zu erzählen, sondern eher meine Empfindungen zu transportieren, liegt die Interpretation oder Assoziation beim Hörer. Und da die Liebe die Menschen doch sehr prägt, werden die Texte oft in dieser Richtung gedeutet, was für mich ein großes Kompliment ist, denn so scheint es zu funktionieren. Die Empfindungen zu sehr unterschiedlichen Erlebnissen liegen oft verblüffend nah bei einander.

Otti + Sijaita:
Uns ist aufgefallen, daß ihr dieses Jahr kaum Auftritte auf Sommerfestivals habt. In einem Interview vom April 2005 sagt Norman aber: "Natürlich werden wir auf Festivals spielen im Sommer." Warum sind das dieses Jahr so wenige?

Sven:
Genau da ist das Problem. Im Sommer 2005 haben wir auf einigen großen Festivals gespielt. Und die Veranstalter lassen Bands meist nicht in 2 aufeinanderfolgenden Jahren auf dem gleichen Festival spielen. Wenn es nach uns ginge, hätten wir überall gespielt *g*. So sind es nur 2 kleinere Festivals aber wir gehen mal davon aus, dass wir im nächsten Jahr mehr haben werden.

Sijaita:
Ansonsten seid ihr dieses Jahr auch nur im April bei der Orkus Club Tour mit Funker Vogt und And One aufgetreten, und bisher ist scheinbar außer den zwei Festivals auch nur ein Konzert bei der Record Release Party in Berlin geplant. Habt ihr denn dieses Jahr vor überhaupt noch auf Tour zu gehen, oder macht ihr euch heuer insgesamt recht rar?

Sven:
Nein. Derzeit wird gerade die Tour zum Album gebucht, viele Termine sind bereits bestätigt. Die Tour wird im November stattfinden und wir freuen uns schon sehr darauf.

Otti:
Und wie war die Tour überhaupt? Wie ist sie beim Publikum angekommen, und wie war die Zeit mit And One und Funker Vogt für euch? Musikalisch wart ihr ja nun die einzige gitarrenlastige Band, wodurch ihr doch in gewisser Weise die "Außenseiter" bei der Tour.

Sven:
Das kann man wohl sagen *g*. Wir hatten auch ein eher mulmiges Gefühl, aber es sind doch überall recht viele Leute auch wegen uns da gewesen. Insofern hat es sich auf jeden Fall für uns gelohnt. Wir haben uns sehr gut mit And One und Division Kent verstanden, zu Funker Vogt hatten wir eher selten Kontakt, aber es war auf jeden Fall eine sehr gute Atmosphäre auf der gesamten Tour.

Sijaita:
Ihr betont auch immer wieder dass euer Produzent Thommy Hein für euch eher als "6. Bandmitglied" gilt, und ihr habt, als eurer Plattenvertrag nach "Blind Camera" abgelaufen war, auch die Plattenfirma Phonyx mit ihm gegründet. Welche Bedeutung hat Thommy für die Band?

Sven:
Wirklich eine elementare. Er ist in jeder Hinsicht für uns ein Bandmitglied, nicht nur musikalisch. Er hat mich von Anfang an mit Zeraphine sehr unterstützt. Wir kennen uns ja noch aus Shadows- Zeiten. Ich musste ihm nie erklären, was ich musikalisch meine, es ist sozusagen blindes Verständnis und das ist ungeheuer wertvoll. Außerdem kann ich wohl sagen, dass er über die Zeit einer meiner wirklichen Freunde geworden ist.

Sijaita:
Ich habe mir vor ein paar Wochen euer "Therapier mich"-T-shirt zugelegt, und wurde bisher auch schon des öfteren darauf angesprochen... eure Texte sind oft sehr verschieden zu interpretieren, deshalb würde mich mal interessieren, wie ihr selbst den Text von "Fang mich" versteht?

Sven:
Da will ich mich lieber kurz fassen, da ich nicht zu viel über meine Assoziation preisgeben will. Aber es geht im Groben um alte Wunden, die immer mal wieder aufgerissen werden, die man nicht übersehen kann. Um das hin und her gerissen sein zwischen verschiedenen Wegen, die man gehen kann und um den Versuch von außen, in eine der Richtungen gedrängt zu werden und dass man sich dagegen behauptet.

Otti:
Ihr pflegt auch einen tiefen Kontakt zu eueren Fans. Sei es nun durch euere eigene Radiosendung, oder auch durch den Zeraphine-Chat, in dem man auch mit euch persönlich reden kann. Wie wichtig ist euch diese Nähe zu den Fans und der Szene?


"Es interessiert uns auch wirklich, was unsere Fans über unsere Musik denken."

Sven:
Es ist uns sehr wichtig. Wir versuchen auch, auf viele Emails zu antworten, die an uns geschickt werden, wobei das durch die Gründung der Plattenfirma gerade jetzt, vor der Veröffentlichung des Albums, etwas gelitten hat, da wir alle sehr viel Stress haben. Aber wenn sich das alles gelegt hat, sind wir wieder per Mail für die Leute da. Wie gesagt, es ist für uns ein sehr wichtiges Verhältnis und es interessiert uns auch wirklich, was unsere Fans über unsere Musik denken, welche Erlebnisse sie mit unseren Songs in Verbindung bringen. Ein besseres und intensiveres Feedback auf unsere Arbeit kann es eigentlich nicht geben.

Otti:
Zum Abschluß noch ein aktuelles Thema: Wer wird Fußball-Weltmeister?

Sven:
Ich interessiere mich eigentlich nur nebenbei für Fussball, aber Welt- und Europameisterschaften verfolge ich schon ziemlich. Ich bin vor allem auch beeindruckt von der deutschen Mannschaft. Zum ersten Mal seit langem muss es einem nicht peinlich sein, weil keine Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit im Spiel ist, sondern man merkt der Mannschaft an, dass sie hungrig ist und dass es ihnen vor allem Spaß macht.
Insofern würde ich es ihnen gönnen, den Titel zu holen. Ansonsten wird´s wohl Brasilien oder Argentinien. Aber mein Tipp ist trotzdem Deutschland.

Art des Interviews: Email
27.06.2006 by Sijaita
Zeraphine in unserer Band- und Künstlerdatenbank

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